Unser bevorzugter Trainingsort - Budokan

Okinawa-Aufenthalt 2025 (Teil 1)

Ende 2025 machte sich eine kleine Gruppe von Mitgliedern des Oshiro Dojo Schwerte auf den Weg nach Okinawa (Japan), um dort Kampfkünste zu üben und Land, Kultur und Leute näher kennen zu lernen. Die Gruppe bestand aus René Bernards, Manfred und Sarah Ewers, Thomas Heinze und Manu Röttgen, Hier der Bericht von Manfred Ewers:

Erlebnisbericht Okinawa-Reise 2025

Auch im Jahr 2025 plante unser Sensei Thomas Heinze seine jährliche Okinawa-Reise und bot seinen Schülern an, ihn dabei zu begleiten. So machten sich Mitte November fünf Mitglieder des Oshiro Dojos Schwerte auf den Weg nach Japan.

Aufgrund der langen Flugzeit entschied ich mich, gemeinsam mit meiner Tochter vorab zu reisen und für drei Tage einen Zwischenstopp in Tokio einzulegen. Dort nutzten wir die Zeit für ausgiebiges Sightseeing an einigen bekannten Hotspots. Dazu zählten unter anderem das geschäftige Einkaufsviertel Akihabara mit seinen zahlreichen Elektrogeschäften, Spielhallen und Character-Shops sowie der allgegenwärtigen Leuchtreklame, das Hafenviertel mit seiner alten und neuen Fischhalle, verschiedene Schreine wie der Kanda-Schrein, der Meiji-Schrein und insbesondere der Asakusa-Schrein. Ebenso besuchten wir die Tokyo Station, den sehr schönen Hamarikyu-Park, den Ueno-Park, die kaiserlichen Gärten sowie die Einkaufsstraßen von Ginza mit ihren exklusiven Nobelgeschäften.

Besonders die Lichtershow am nächtlichen Tokyo Metropolitan Government Office sowie der atemberaubende Blick vom Tokyo Skytree auf das nächtliche Tokio werden mir lange in Erinnerung bleiben.

Am Mittwoch, unserem vierten Tag in Japan, machten wir uns auf den Weg nach Okinawa. Dort waren Thomas, René und Manu bereits am Vortag angekommen. Sie holten uns am Flughafen ab, und es ging mit der Monorail weiter zum Hotel. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns zu einem kurzen Rundgang durch die Hotelumgebung mit anschließendem Stopp im Supermarkt, um für das gemeinsame Abendessen einzukaufen.

Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück zum nahegelegenen Prefectural Budokan, dem örtlichen Sportzentrum, das auf drei Etagen vielfältige Trainingsmöglichkeiten bietet. Gegen eine geringe Gebühr kann dort jeder für sich oder mit seinem Verein beziehungsweise Dojo trainieren. Für uns stand an diesem Tag Yamanni-Ryu auf dem Trainingsplan.

Nach dem Training machten wir uns auf den Weg nach Fukushuen, einem chinesischen Garten. Unterwegs kamen wir am Matsuyama-Park vorbei, in dem sich mehrere Denkmäler früherer Karatemeister befinden. Thomas erwies sich hierbei als kundiger Reiseleiter, da er zu den einzelnen Meistern und Denkmälern viel Wissenswertes zu berichten wusste.

Nachdem wir den chinesischen Garten ausgiebig erkundet hatten, ging es weiter zum Stadtstrand von Naha. Von dort aus hatte man bereits einen guten Blick auf den Naominoue-Schrein, der oberhalb auf einem hohen Felsen thront.

Am Abend kehrten wir im hotelnahen Restaurant Sobe Soba ein, das traditionelle okinawanische Küche in passendem Ambiente bietet. Gegessen wird dort sitzend auf dem Boden an sehr niedrigen Tischen – für Ungeübte durchaus etwas unbequem. Dennoch wurde dieses Restaurant während unseres Aufenthalts nahezu unser Stammlokal. Zum Abschluss des Tages trafen wir uns noch zu einem freien Training auf der Dachterrasse des Hotels.

Am Freitag begann der Tag mit dem Besuch des Shuri Castle, dem ehemaligen Sitz der Herrscher des Königreichs Ryukyu. Die weitläufige Festungsanlage liegt hoch über Naha. Das Hauptgebäude war im Jahr 2019 abgebrannt und befindet sich derzeit im Wiederaufbau. Gerade rechtzeitig, als ganze Buskolonnen chinesischer Touristen das Gelände stürmten, verließen wir die Festung und machten noch einen Abstecher zu den nahegelegenen königlichen Gräbern.

Von dort aus führte ein steinerner Pfad durch eine Art botanischen Garten den Berg hinunter. Zu bestaunen gab es zahlreiche blühende Sträucher mit großen Schmetterlingen sowie verschiedene Obstbäume wie Papaya und Banane. Auch Kaffeepflanzen und Teesträucher waren dort zu finden. Am Ende des Pfades befand sich ein kleiner Urwald mit Farnen von beeindruckender Größe und Bäumen mit langen Luftwurzeln – leider jedoch auch mit vielen Mücken, die uns den Aufenthalt etwas erschwerten.

Am Abend ging es erneut ins Budokan, wo wir gemeinsam mit Shihan Oshiro und seinen Schülern am Kobudo-Training teilnahmen. Wir wurden sehr herzlich und selbstverständlich in das Training integriert. Shihan Oshiro ging währenddessen umher und gab jedem Einzelnen hilfreiche Verbesserungsvorschläge. Es war ein anstrengendes, aber sehr lehrreiches Training, bei dem auch der Spaß nicht zu kurz kam. Zudem bot sich die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen, etwa zu einer Aikido-Gruppe oder zu einem jungen Mädchen, das immer wieder dieselbe Kata mit erstaunlicher Geschwindigkeit ausführte.

Der Samstagmorgen begann erneut mit einem Training auf der Dachterrasse. Anschließend machten wir uns auf den Weg ins Töpferviertel von Naha sowie zur bekannten Einkaufsstraße Kokusai Dori. Dort legten wir auch einen Zwischenstopp in einem unscheinbaren Restaurant in einem Hinterhof ein, das fast ausschließlich von Einheimischen besucht wurde. Für wenig Geld konnten wir uns dort hervorragend stärken.

Am Abend ging es zu Fuß zum Karate Kaikan, einer zentralen Trainingsstätte für Karate, in der sich auch ein Karate-Museum befindet. Dort erhält man einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Karate und seiner Meister. Im Anschluss nahmen Thomas, René und Manu im großen Saal des Kaikan an einem Iaido-Training bei Sensei Hamamoto teil. Sensei Hamamoto ist bereits 90 Jahre alt und hatte sichtlich Freude daran, Sarah und mir sein über 200 Jahre altes Schwert zu zeigen und es uns für ein gemeinsames Foto in die Hand zu geben.

Am Sonntag starteten wir nach dem Frühstück erneut mit einem Training im Budokan. Danach besuchten wir den Shikinaen-Garten, einen historischen Landschaftsgarten, der vor über 200 Jahren für die königliche Familie angelegt wurde. Heute ist er eine Art botanischer Garten mit einem großen zentralen Teich, der von einer Brücke chinesischer Bauart überspannt wird. Auf einer Anhöhe befindet sich das in klassischer japanischer Bauweise errichtete königliche Wohnhaus, das einen guten Eindruck vom früheren Leben vermittelt.

Am Eingang des Gartens steht zudem ein Wachhaus, in dem zur Zeit des Ryukyu-Königreichs der „Bushi“ Sokon Matsumura seinen Dienst versah – einer der ursprünglichsten Karatemeister Okinawas.

Am Nachmittag kehrten wir nochmals zur Kokusai Dori zurück, die sonntags autofrei ist und an diesem Tag besonders stark besucht war. Am Abend ging es erneut zum Karate Kaikan. Während Thomas, René und Manu wieder am Iaido-Training bei Sensei Hamamoto teilnahmen, nutzten Sarah und ich die Zeit für ein Bo-Training, um das zuvor bei Sensei Oshiro Gelernte weiter zu vertiefen.

Der Montag begann mit einem freien Training im Budokan. Anschließend stand der Besuch des Japanese Navy Headquarters auf dem Programm. Dabei handelt es sich um ein Verteidigungstunnelsystem von über 450 Metern Länge, in dem während des Zweiten Weltkriegs bis zu 4.000 Soldaten stationiert waren. Gegen Ende des Krieges suchten dort sogar bis zu 10.000 Soldaten Schutz vor den Angriffen der Amerikaner. Rund 4.000 von ihnen verloren in dem Tunnelsystem ihr Leben. Ein Teil der Anlage ist heute wiederhergestellt und für Besucher zugänglich und vermittelt einen eindrucksvollen Eindruck vom damaligen Leben unter der Erde.

Am Abend ging es erneut zum Yamanni-Ryu-Training mit Sensei Oshiro ins Budokan. Auch dieses Training war intensiv und äußerst lehrreich, und jeder konnte sicherlich wertvolle Impulse für seine persönliche Entwicklung mitnehmen.

Am Dienstag machten wir uns sehr früh auf den Weg zum Sefa Utaki. Mit einem Uber-Taxi fuhren wir über eine Stunde in den Südosten bis zum Kap Chinen. Sefa Utaki ist eine der heiligsten Stätten der Ryukyu-Inseln, an der bedeutende Feste und spirituelle Zeremonien abgehalten wurden. An verschiedenen Stellen finden sich markante Steinformationen, die einst als rituelle Plätze dienten.

Von dort aus ging es weiter zum Chinen Cape Park, von dem man einen atemberaubenden Blick auf den Pazifik und die vorgelagerten Inseln hat. Zum Abschluss unseres Besuchs gingen wir hinunter an den Strand, wo zahlreiche Muscheln und Korallenstücke zu entdecken waren. Besonders eindrucksvoll waren die pilzförmigen Felsformationen im Wasser vor der Küste. Wir nutzten die Gelegenheit, unsere Füße vom immer noch warmen Pazifikwasser umspülen zu lassen, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten.

Die Rückfahrt war besonders unterhaltsam, da der Taxifahrer uns voller Freude sein Wissen über Okinawa vermitteln wollte. Mithilfe eines Übersetzungsgeräts erzählte er ununterbrochen – allerdings hatte er dabei seine Hände öfter am Gerät als am Lenkrad. Umso erleichterter waren wir, als wir schließlich wohlbehalten in unserem Stammlokal Sobe Soba ankamen.

Am Abend ging es zum letzten Iaido-Training ins Karate Kaikan. Dieses Mal nutzte ich die Gelegenheit, einige schöne Fotos zu machen. Zum Abschluss des Abends besuchten wir gemeinsam mit Sensei Hamamoto und vier weiteren Schülern ein Sushi-Restaurant. Dort bestellte man per App Sushi vom Fließband – in herausragender Qualität. René und Sarah hatten zudem das „Vergnügen“, Maki-Sushi mit Krabbenhirn zu probieren, und waren sich einig, dass dies nicht ihre neue Lieblingsspeise werden würde. Insgesamt war es ein sehr geselliger Abend mit japanischen Freunden.

Am Mittwoch machten wir uns erneut mit dem Uber-Taxi auf den Weg, diesmal zum Nakagusuku Castle, einer der ältesten Burgen der Ryukyu-Inseln aus dem 15. Jahrhundert und einst die zweitgrößte Burganlage Okinawas. Die frühen Morgenstunden nutzten wir für eine Fotosession in unseren Karate-Gi, um einige schöne Erinnerungsfotos aufzunehmen.

Am Ausgang des Parks befand sich eine kleine Kaffeerösterei, an der man aufgrund des intensiven Aromas kaum vorbeigehen konnte. Wir nutzten die Gelegenheit und ließen uns von der freundlichen Rösterin frisch gebrühten peruanischen Kaffee zubereiten. Zurück nach Naha ging es mit dem Linienbus, erneut mit einem Stopp an der Kokusai Dori. Dort besuchten wir den örtlichen Fischmarkt, auf dem neben Fisch und zahlreichen Meeresfrüchten auch das teure Fleisch des Okinawa-Wagyu-Rindes angeboten wird. Alles, was man dort kauft, kann in den darüberliegenden Restaurants frisch zubereitet werden. Wir entschieden uns jedoch für ein Restaurant an der Kokusai Dori und genossen dort japanische Tapas.

Am Donnerstag war schließlich unser Abreisetag gekommen. Die Koffer waren gepackt und an der Rezeption abgegeben. Zunächst machten wir uns auf den Weg zu Shureido, dem Shop für Karate-Equipment. Dort ließen wir unsere Bo für den Rückflug verpacken, und Manu nahm ihren Gi entgegen, den sie während unseres Aufenthalts hatte kürzen lassen – beides kostenloser Service. Wo findet man so etwas noch in Deutschland?

Anschließend ging es ein letztes Mal zur Kokusai Dori, um Souvenirs einzukaufen. Am späten Nachmittag hieß es dann Abschied nehmen von Okinawa, und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen Naha. Ohne Verspätung landeten wir am Freitagmorgen wieder in Frankfurt.

Damit ging ein erlebnisreicher Urlaub zu Ende, in dem wir viele neue Eindrücke sammeln konnten und der uns sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein herzliches Dankeschön gilt insbesondere Thomas, der uns zu dieser wunderbaren Reise eingeladen hat und sich dabei einmal mehr als erfahrener und engagierter Reiseleiter erwiesen hat.

Manfred Ewers

 

Fotos: René Bernards und Manfred Ewers (sorry, nur eine kleine Auswahl von gefühlt 1000)

mehr Fotos und Inhalt gibt es im Teil 2