Okinawa-Reise 2023 (Teil 3)

Dienstag, 28. November

Hamamoto hatte uns am Sonntag gefragt, was wir denn noch so vorhätten. Nachdem er hörte, dass wir noch Shurijo (Schloss/Burg Shuri) besuchen wollten, bot er an, uns dabei zu begleiten und Etsuko san schloss sich dem an.

Also ging es am Montag gemeinsam nach Shuri, wo wir gleich mal Lunch hatten und uns Shurijo ansahen. Interessant war hier natürlich der Fortgang der Aufbauarbeiten nach dem schrecklichen Brand, der das hölzerne Schloss und Wahrzeichen Okinawas 2019 komplett vernichtet hatte. Aber der Aufbau schreitet voran und das Schloss wird derzeit in einer riesigen Halle wieder aufgebaut. Ziel soll sein, es 2026 zu vollenden und wieder in einem Glanz erstrahlen zu lassen. Auf den Anblick des wiederaufgebauten Schlosses freue ich mich heute schon!

Danach ging es noch gemeinsam ins ehemalige Hauptquartier der kaiserlichen Japanischen Marine während der Schlacht um Okinawa 1945. Die in der Nähe des Karate Kaikan gelegene Sehenswürdigkeit besteht aus in den Fels getriebenen Stollen, die einige Räume enthielt und der Rückzugsort der Führung der Marine während der verlustreichen Schlacht um Okinawa war. Die mehrere Monate dauernde Schlacht forderte zehntausende Opfer, nicht nur beim Militär beider Seiten, sondern insbesondere auch bei der Zivilbevölkerung. Nicht wenige bekannte Karatemeister starben während dieser Kampfhandlungen oder kurz danach, als die Lebensbedingungen der Bevölkerung auf dieser völlig zerbombten Insel katastrophal waren.

Hamamoto sensei erwies sich als kenntnisreicher Führer, war er doch Marineoffizier, wenn auch lange nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Ich fand auch sehr erstaunlich, wie gut er diesen anstrengenden Tag mit seinen 87 Jahren wegsteckte. Ich hoffe, ich bin in dem Alter auch so fit.

Und da wir an diesem Tag kein Training hatten, schoben wir abends einfach noch eins ein und übten im Onoyama koen noch die Kishaba no sai sho. Diese fortgeschrittene Kata ist recht schwierig und enthält viele schnelle Richtungsänderungen. Das war für Nati und Manu, die sie das erste Mal übten, nicht ganz einfach. Für mich allerdings auch nicht (Insider!).

 

Mittwoch, 29. November

Heute hatten wir einen ganzen „freien“ Tag, sodass wir einen längeren Ausflug machen konnten. Wir hatten uns für Nakagusuku entschieden, die aus meiner Sicht schönste Burgruine auf Okinawa. Manu kannte die schon, wollte aber auch gern nochmal hin. Burgen (Gusuku) gab es auf Okinawa viele, leider sind nicht zuletzt wegen der zerstörerischen Schlacht um Okinawa 1945 nicht mehr viele erhalten geblieben.

Also nahmen wir recht zeitig am Morgen den Bus Richtung Norden und kamen nach ca. 1h an. Nicht bei der Burg, sondern am Fuße des Berges am Weg zur Burg. Die letzten Kilometer mussten wir zu Fuß (ca. 30 Minuten) meistern. War aber nicht so schlimm. Die Burg selbst war kaum besucht und so konnten wir ein paar tolle Fotos und Videos machen ohne jemanden zu stören.

Ich war jetzt zum 4.Mal (?) auf der Burg und bin immer wieder beeindruckt – vom Bauwerk selbst, aber auch vom Ausblick, den man von diesem Weltkulturerbe hat.

Leider war das im nächsten Dort gelegene Nakamura Haus, ein restauriertes altes Haus eines wohlhabenden Bauern, geschlossen. Den Weg hatten wir umsonst gemacht, aber das hat uns das tägliche Training ersetzt.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Ausflug zum Naminoue Schrein, einem der schönsten Shinto Schreine auf Okinawa. Er ist auf einem hohen Felsen gelegen und auch von der Rückseite malerisch anzusehen. Die Mädels hatten mich gezwungen, die abartige Schnellstraße, die den Blick vom Naminoue Strand Richtung mehr versaut, für Fotos von der Rückseite entlangzulaufen. Und ok, ich geb’s zu: der Anblick war wieder super. Vor allem wegen der einsetzenden Dämmerung.

 

Donnerstag, 30. November

Leider hieß es heute: Abschied nehmen. Kurz vor 5 Uhr morgens machten sich Manu und ich auf den Weg zum Airport. Von dort ging es zuerst wieder nach Tokyo, um von dort aus den letzten „Ausflug“ zu machen. Aufgrund der Russlandsanktionen mussten wir einen „kleinen Umweg“ machen und flogen durch die Behringstraße zwischen Russland und Alaska über das Nordpolarmeer (dicht am Nordpol), um letztlich über Grönland und Norwegen wieder Richtung Heimat zu gelangen. Klingt komisch, macht aber mit Blick auf einem Globus Sinn. Dauert nur leider sehr lange 14 Stunden.

Und das Fazit der Reise: Schön war’s. Anstrengend. Lehrreich. Viele Freunde wiedergetroffen. Neue Freundschaften geschlossen. Gern wieder.

Wann? 2024. Mit ein paar Leuten aus dem Oshiro Dojo Schwerte. Die Planung läuft schon 🙂

 

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